Die Geistersage – Das Erbe der Reformation

Vortrag, ca. 90 min.

1596 entwirft Enoch Widman in seiner Hofer Chronik eine Erzählform, die erst Jahrhunderte später ihren Siegeszug antreten wird: die Geistersage. Seine Geschichte von der „Geisterkirche“, die in der Folge Hunderte von Varianten hervorbringt, etabliert ein Modell, in dem das Gruselige nicht bloß schmückt, sondern eine zentrale Funktion übernimmt. Widman schafft einen literarischen Raum, in dem Angst erzählbar wird – und damit verhandelbar, ohne je vollständig gebannt zu sein. Gerade an der „Geisterkirche“ lässt sich exemplarisch zeigen, wie das Unheimliche dazu dient, fundamentale Unsicherheit zu binden und verhandelbar zu machen – ohne sie dabei aufzulösen. Die Geistersage bildet so das erzählerische Gegenstück zu jener Glaubensgewissheit, die Widman in der Theologie Luthers verankert sieht.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert